Es gibt doch noch Familientypen im Fußball

21.November 2007

An diesem Montag passierte wohl etwas, was dem internationalen Spitzenfußball schon lange keiner mehr zugetraut hat. Während Liebesbekundungen zu Vereinen wie von Henry zu Arsenal London oder Versprechen wie von Klose gegen die Bayern im Profifußball nichts mehr wert sind, hat ein Mann eine Entscheidung getroffen, die gegen das Geld, gegen die Professionalität und gegen den eigenen Spaßfaktor ging. Huub Stevens heißt dieser Mann, ein 53-jähriger Fußballtrainer, dessen sportliche Karriere beim PSV in Eindhoven endete und damit dort seine Trainerkarriere begann und hier ab Juli 2008 auch wieder weitergehen wird. Über die zweite Mannschaft hoch in die erste und über viele Stationen machte er sich auch in Deutschland einen Namen als harter Hund, dessen Abwehr wie ein Bollwerk steht. „Die Null muss stehen“ ist sein Grundsatz – und unter diesem Motto führte er den FC Schalke 04 zum UEFA-Cup Sieg 1997, den FC Köln in die 1. Bundesliga und den HSV im Jahr 2007 von Tabellenplatz 18 bis in den UI-Cup. Das er beim HSV nach 36 Spielen auf 77 Punkte (Durchschnitt 2,14 Punkte) und 1,75: 0,72 Toren zurückblicken kann, spricht für seine ausgezeichnete Arbeit und die hohe Qualität, die er als Trainer besitzt und einer Mannschaft weitergeben kann. Damit stellt der HSV zugleich das beste Team in Deutschland im Jahr 2007 – und steht in der laufenden Saison nur einen Punkt hinter den übermächtigen Bayern.
Huub Stevens hat nicht nur auf dem Platz alles im Blick...
Trotz etlicher Versuche vom HSV – Vorstand, es gab unter anderem 10-Jahres Verträge bzw. Zusicherungen bis ins hohe Rentenalter, hat sich Huub Stevens aber gegen Hamburg, wo er lt. eigenen Aussagen so viel Spaß wie nie zuvor hat, und für eine einzige Person entschieden – Toos Stevens!
Seine Frau liegt mit einer schweren Darmerkrankung im Krankenhaus von Eindhoven und wurde bereits mehrfach operiert. Sie kam bisher immer durch, aber überstanden ist der Kampf noch lange nicht. Da Toos nicht in der Lage ist, aus gesundheitlichen Gründen zu Huub nach Hamburg zu ziehen, hat die Familie Stevens nun die Konsequenzen gezogen und wird ab Sommer 2008 wieder vereint in der alten Heimat im Familienhaus einziehen. Ein schwerer Schlag für Hamburg – aber ein unglaublich verständlicher Schritt von Huub Stevens der wieder einmal beweißt, dass hinter dem harten Kern ein sensibler Familienvater steckt.
Der HSV hat nun Zeit, im nächsten halben Jahr nicht nur einen neuen Spielmacher für van der Vaart (der den wohl Verein verlassen wird) sondern auch gleich einen neuen Dompteur zu suchen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigte, dass ein alteingesessener Trainer mit den Krisen besser zu recht kam als das junge Blut. Trotzdem habe ich einen ganz persönlichen Vorschlag: Jürgen Klinsmann…

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